Was ist Trauma wirklich?

Dieser Begriff ist oft mit Halbwissen belegt, man stellt sich da am ehesten Soldaten vor, die Kriegsgeschehnissen ausgesetzt waren. Das (wohl einzig) Positive daran ist, dass eben durch die entsprechenden Bundeswehreinsätze dieses Thema hierzulande erst richtig Aufmerksamkeit erregt hat.
Ein Trauma muss nicht immer ein katastrophenartiges Ereignis sein, schon ganz „alltägliche“ Dinge, wie z.B. ein Krankenhausaufenthalt, insbesondere bei Kindern, kann traumatische Folgen haben.

Man kann generell sagen, dass Lebenssituationen, die emotional überwältigend waren, insbesondere wenn eine innere Starre eingetreten ist, eine ungelöste Ladung im Körper hinterlassen haben.
Oft können diese Ereignisse gar nicht bewusst erinnert werden, sie wandern (auch teilweise) ins implizite, unbewusste Gedächtnis. Das ist, wie viele andere, eine Schutzfunktion des Gehirns, ohne die unsere Art wahrscheinlich nicht überlebt hätte.

Von daher ist offensichtlich, dass der Versuch, diese über gesprächstherapeutische Massnahmen zu lösen, zum Scheitern verurteilt sein muss. Es kann sogar kritisch werden, weil dadurch eine neue Überwältigung drohen kann.
Die traumatherapeutische Forschung hat hervorgebracht, dass die nicht konfrontativen Methoden, das Trauma über den Körper zu bearbeiten, am erfolgreichsten sind.

Man unterscheidet mittlerweile auch zwischen unterschiedlichen Formen von Traumata. Augenscheinlich gliedern sich diese über ihre Entstehung, noch viel wichtiger erscheint mir, diese von der Warte der Auswirkungen zu betrachten, insbesondere, wenn sich diese miteinander kombinieren.

 

Schocktrauma

Das ist das, was im allgemeinen gemeint ist, wenn über das Thema Trauma gesprochen wird. Es handelt sich hierbei um ein einzelnes Ereignis, welches als emotional überwältigend erlebt wurde.

In der Regel geht das mit Gewalteinwirkung einher, jedoch nicht zwangsläufig. Ein sexueller Missbrauch kann z.B. mit viel Freundlichkeit beginnen, und die Grenzen werden fast unmerklich überschritten, zumal solch ein Missbrauch sehr oft im familiären Umfeld passiert.

Generell gilt, dass ein Mensch mit einer stabilen „Ich“-Struktur i.d.R. gute Ressourcen hat, um ein Schocktrauma zu bewältigen (natürlich mit entsprechender Unterstützung).

 

Entwicklungstrauma

Hierbei handelt es sich um die (leider) verbreitetste Form von Traumata, dieses hat eine völlig andere Auswirkung auf das Nervensystem.

Es entsteht z.B. aus einem wiederholten Alleingelassensein in ganz jungen Jahren, vom Säuglingsalter an. Das ist oft bedingt aus der früher oft verbreiteten Annahme, dass es für die Entwicklung von Kinder hilfreich sein kann, wenn man diese teilweise auch länger schreien lässt.

Diese Traumata werden durch Eltern begünstigt, die selbst in jungen Jahren keine adäquate emotionale Versorgung erfahren haben.

Das, was ein emotional ausgeglichener Elternteil instinktiv weiss und spürt, ist mittlerweile auch wissenschaftlich belegt, dass nämlich das unreife Nervensystem des Babys/Kleinkindes das stabile Nervensystem des Erwachsenen braucht, um sich emotional regulieren zu können.

Da passiert dann auch ein instinktiver Lerneffekt, und dieser Mensch kann sich dann als Erwachsener in den allermeisten Fällen gut selbst emotional regulieren, ohne sich z.B. Zigaretten, Alkohol oder (übermässig) Süssigkeiten zuführen zu müssen.

 

Generationenübergreifendes Trauma

Man weiss mittlerweile aus der epigenetischen Forschung, dass Traumata auch auf der genetischen Ebene weitergegeben werden können. So sind z.B. wir in Zentraleuropa, bzw. gerade in Deutschland davon viel stärker betroffen, als die Menschen, die seit Generationen in weitestgehend kriegsfreien Gegenden leben.

Ein weiteres Thema hierbei ist sicher auch das Patriarchat, welches hierzulande zwar scheinbar latent, aber immer noch sehr präsent ist.

 

Sekundärtrauma

Davon betroffen sind insbesondere Menschen, die entweder durch ihre berufliche Tätigkeit potentiell traumatisierenden Situationen ausgesetzt sind, oder man wird zufällig Zeuge von entsprechenden Ereignissen. Das sind sowohl Polizisten, Feuerwehrleute und andere helfende Berufe, als auch Therapeuten.

Erfreulicherweise gibt es eine zunehmende Bewusstheit darüber, so dass Menschen aus einschlägigen Berufsgruppen auch traumatherapeutische Ausbildungen durchlaufen.

 

Soziales Trauma

Hier spricht man einerseits von traumatischen Ereignissen, die eine (grössere) Gruppe von Menschen betrifft, wie z.B. Naturkatastrophen oder Kriege, welche eine breite soziale Auswirkung zeigen.

Andererseits gehören hier auch die Situationen dazu, wo man Menschen aus dem näheren Umfeld verliert, ohne sich verabschieden zu können.

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