Anahata Chakra – das spirituelle Herz

Die vielschichtige Relevanz von Anahata-Chakra im tantrischen Yoga

Von Johannes Ganesh

Das spirituelle Herz – der Schlüssel zur Selbst-Verwirklichung

In allen Kulturen steht das Herz für Güte, Mitgefühl, Liebe und andere durchweg positive Gefühlsäusserungen.

Sogar in unserer heutigen, stark durch Wissenschaft und Technik bestimmten Welt beschreibt der Begriff „Herzensbildung“ einen hohen Grad an menschlicher Entwicklung und Weisheit. In so gut wie allen spirituellen Disziplinen spielt daher auch das Herz eine übergeordnete Rolle.

Auch im tantrischen Yoga, der dafür bekannt ist, vor allem die sexuelle Energie und die Willenskraft nutzbar zu machen, ist das Herz sozusagen das ethische Barometer, mit dem man den Yoga im täglichen Leben erdet.

Es gibt verschiedene Aspekte, unter denen man im Tantra-Yoga die Ebene des Herzens verstehen kann. Zunächst einmal ist das Herz Anahata-Chakra  quasi die Steuerzentrale der anderen Chakras. Zudem ist das Herz in der aufsteigenden Hierarchie der Energiezentren das erste, welches sich über die ego-zentrierten Impulse erhebt.

Wer im Herzen als dominierendes Chakra angekommen ist, hat eine Art persönlicher Freiheit erreicht, die weit über weltliche Freiheit hinausreicht. Tief im Herzen gibt es einen inneren Raum, der Hridaya genannt wird und in welchem die Seele wohnt, also der Teil von uns, der nach der yogischen Lehre wiedergeboren wird.

Ich vergleiche unsere Persönlichkeit mit all ihren Nuancen und Subpersönlichkeiten gern mit einem alten Segelboot, im Stil eines Piratenschiffs. Unser Inneres befindet sich sozusagen in einem Zustand der Meuterei. Der Kapitän (die Seele) wurde in Ketten gelegt und tief unten im Schiffsbauch eingesperrt. Der Steuermann (das Ego) wurde von der Besatzung (unseren Bedürfnissen und Wünschen) zum Käpt’n ernannt. Er soll uns nun zur Schatzinsel bringen! Der Steuermann weiss genau, wie man ein Schiff steuert, wie man eine Route berechnet, wie man die Sterne deutet … nur eins weiss er nicht: Wohin die Reise gehen soll. Das geht auch einige Zeit gut. Nur irgendwann wird allen klar, dass der neue Käpt’n keine Ahnung hat, wo diese Schatzinsel ist. Das ist dann die Chance! Das spirituelle Abenteuer kann beginnen …

Wenn wir mit diesem Teil von uns selbst in Kontakt sind, leben wir unser Leben in einem Kontext, der viel grösser ist als unsere persönliche, weltliche Existenz. Es ist unser tiefstes „Ich“, von dem unser Ego nur ein fahler Abglanz ist.

Auch in der modernen Gehirnforschung bzw. in der biologischen Psychologie kommt dem Herzen in den letzten Jahren ein in der Wissenschaft völlig neuer Stellenwert zu. Bis vor einigen Jahren ging man davon aus, dass es im Körper ausserhalb des Gehirns keine Neuronengeflechte gibt.

Mittlerweile hat man jedoch herausgefunden, dass das nicht stimmt. Um das physische Herz herum gibt es beispielsweise so ein Geflecht, welches eine Art Trabantengehirn bildet. Dieses ist direkt mit dem limbischen System verbunden, welches für unsere Gefühle zuständig ist und zu jeder Zeit die bewussten Prozesse unseres Grosshirns beherrscht. Dies geschieht unterbewusst und entzieht sich dem Willen.

Das limbische System beherrscht den Rest des Gehirns nach einer einzigen Regel: Es unterstützt, was dem Körper gut tut, und es bekämpft, was dem Körper schadet. Wenn das Neuronengefllecht des Herzens gut behandelt wird, wenn man es zur Kenntnis nimmt und auf seine Äusserungen hört, dann wirkt sich dies direkt auf den Herzschlag aus. Er wird harmonisch und entspannt. Das limbische Sytem nimmt dies wahr und unterstützt die Tätigkeiten, die dies bewirken. So wird Meditation im Leben integriert.

Es gibt jedoch noch einen weiteren körperlichen Aspekt, der direkt mit dem Herzen zu tun hat. Etwas oberhalb von Anahata Chakra etsreckt sich nach links und rechts das Bries, die Thymusdrüse, wie zwei Flügel, die aus diesem Energiezentrum wachsen. Diese Drüse bildet ein Wachstumshormon und gibt daher zum Ende der Adoleszenz (mit ca. 22 – 24 Jahren) ihre Tätigkeit auf. Doch dieses Hormon ist nicht nur für das körperliche Wachstum sondern auch für den jugendlichen Enthusiasmus zuständig. Daher strebt man im tantrischen Yoga danach, die Thymusdrüse zu reaktivieren. Wenn man einen verwirklichte/n Tantra-YogiNi trifft, so denkt man oft, dass diese/r wie ein Kind ist: humorvoll, begeisterungsfähig und fast naiv! Das ist die Wirkung der reaktivierten Thymusdrüse. Sie lässt uns die Welt durch die Augen der Jugend sehen. Dies ist auch eine der Erklärungen für die Aussage, dass Tantra das Geheimnis ewiger Jugend in sich birgt. Es gibt zwei Wege, auf denen Ekstase, Sammadhi oder Turya – wie man im Tantra sagt – erreicht werden kann: Wenn Kundalini Shakti, vereint mit dem Bewusstsein, Sahasrara, das Energiezentrum beim Scheitelpunkt erreicht … …

oder wenn sie sich in Anahata Chakra, im Herzen, entfaltet. Beides wird im Tantra Yoga gelehrt. Traditionell wird der Weg des Herzens von Menschen mit einer weiblichen Essenz beschritten und der Weg zum Scheitel von Menschen mit einer männlichen Essenz. Ideal ist, wenn Shiva und Shakti diese Zustände der Selbstverwirklichung gleichzeitig erreichen.

Diese beiden Zentren sind mit einem Nadi (Meridian) verbunden, der ausserhalb des Körpers durch die Aura verläuft. Wenn man die entsprechenden Methoden und Techniken beherrscht, kann man daher bei einer Ekstase im Herzen auch den Scheitel erleuchten … und umgekehrt.

So surfen Tantriker auf dem Ozean der Energie und spielen dabei Synphonien auf der Orgel der Gefühle.

Copyright: Johannes Ganesh Tantra-Yoga email: johannes_ganesh(at)anahata-tantra.de

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